Fundstück #11

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Fundstück #11, Mai 2024

Über Flugzeuge und Erfindungen

In populären Darstellungen wie in Hubert Weitensfelders „Die großen Erfinder“ werden geniale Einzelerfinder dargestellt, die „Daniel Düsentriebs im Hinterhof“, die verkannten und verlachten Genies, denen wir alles Mögliche verdanken: die Dampfmaschine oder das Auto, Flugzeuge, Computer und vieles mehr. Inzwischen sind, dank der Mathematikerin Ada Lovelace, auch einige „Daniela Düsentriebs“ hinzugekommen. Aber immer sollen es die Einzelgenies gewesen sein: sei es James Watt, Babbage, Lilienthal und Lovelace, die Gebrüder Wright oder Bill Gates. Doch die moderne Technik- und Wirtschaftsgeschichte weiß es längst besser. Technologische Innovationen sind ebenso wenig ohne ihre geschichtlichen Voraussetzungen und gesellschaftlich-kulturellen Wechselwirkungen denkbar wie alle anderen Ereignisse auch. Alle Daniel und Daniela Düsentriebs haben sich die Voraussetzungen zunutze gemacht, die ihnen ihre Zeit und die Gesellschaft jeweils boten. Auch Otto Lilienthal, der dem einsamen Hinterhofgenie noch am nächsten kommt, hatte an der 1821 gegründeten „Gewerbeakademie Berlin“ Ingenieurswissenschaften studiert und unterhielt eine rege internationale Korrespondenz mit anderen Pionieren.

Dennoch ist am Düsentrieb-Mythos so viel dran, dass die Unternehmen, die innovative Produkte entwickelten und herstellten, zunächst nur aus wenigen Mitarbeitern bestanden. William Edward Boeing baute sein erstes Flugzeug 1915 fast allein und unternahm auch den Erstflug selbst. Aus diesem Jahr stammt eine interessante Neuerwerbung, die aus einem Nachlass in die FZH-Bibliothek kam. Das Buch „Wie berechnet, konstruiert und baut man ein Flugzeug?“ von Dipl.-Ing. O.L. Skopik richtet sich ausdrücklich an Laien und vermittelt den Eindruck eines Do-it-yourself-Bandes, denn zahlreiche Konstruktionsskizzen regen zum Nachbauen an. Zugleich liegt ein streng ingenieurwissenschaftliches Werk vor, das Mechanik und Mathematik des Fluges sachgemäß und bis heute noch aktuell darstellt. Zwar galt die „Aviatik“, sprich die Luftfahrt, im Ersten Weltkrieg als ein militärisch sensibler Bereich, das Buch war aber öffentlich zugänglich.

Als Dokument der Technikgeschichte oder als Zeugnis einer Schlüsseltechnologie in ihren Anfängen ist Skopiks Werk eine wichtige Quelle und steht ab sofort allen Benutzerinnen und Benutzern der Bibliothek zur Verfügung.

Quelle
Skopik, Oskar Ludwig, Wie berechnet, konstruiert und baut man ein Flugzeug? (Bibliothek für Luftschifffahrt und Flugtechnik 11), Berlin 1915 [Erste Auflage 1912].
(Signatur der FZH-Bibliothek: Fq 195).

Literatur
Weitensfelder, Hubert, Die großen Erfinder, Wiesbaden 2014.

(Hartmut Finkeldey)

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