Vortragsreihe

Geschichte wird gemacht – Zeitgeschichtliche Projekte aus Hamburg

Vortragsreihe

Geschichte wird gemacht – Zeitgeschichtliche Projekte aus Hamburg

Ab 23. April, donnerstags von 18.30 bis 20.00 Uhr, Lesesaal der FZH und online

In der Veranstaltungsreihe präsentiert die FZH an fünf Abenden in Vorträgen und Gesprächen aktuelle Forschungsergebnisse und Projekte. Das Spektrum der historischen Themen reicht von der Geschichte der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) in der NS-Zeit über die Wissensgeschichte sozialer Bewegungen seit den 1970er Jahren bis zur Entstehung, Arbeitsweise und Selbstverortung Hamburger Geschichtswerkstätten in den 1980er und 1990er Jahren. Fragen der Erinnerungskultur werden anhand des neu erschlossenen Nachlasses der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano beleuchtet, der nun im Archiv der FZH beforscht werden kann. In der abschließenden Veranstaltung bieten Expert:innen praxisnahe Einblicke in die Methode der Oral History und diskutieren den Umgang mit Zeitzeug:innen und mündlichen Erinnerungen. Damit verbindet das Programm wissenschaftliche Analysen mit lebendigen Debatten über zentrale Fragen der Zeitgeschichte.

Die Vorträge werden online via Zoom übertragen:  https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1.

Der Vortrag am 25. Juni findet abweichend in den Räumen der HFBK (Lerchenfeld 2, 22081 Hamburg) statt.
Die Reihe ist auch Teil des Allgemeinen Vorlesungswesens der Universität Hamburg

Programm

Donnerstag, 23. April, 18.30 Uhr

Anna Horstmann (Universität Bielefeld) / Ruth Pope (Helmut-Schmidt-Universität Hamburg) / Alexander von Schwerin (TU Braunschweig):
Aktivismus und Expertise. Wissensgeschichten sozialer Bewegungen seit den 1970er Jahren

Ob in der Friedens-, Umwelt- und Frauenbewegung – angesichts gesellschaftlicher Krisen wuchs seit den 1970er Jahren bei vielen Aktivist:innen der Zweifel, ob die etablierten Wissenschaften noch in der Lage waren, wirksame Lösungen für die Probleme der Zeit zu liefern. Daher war es für die sozialen Bewegungen zentral, eigenes Wissen über soziale, politische oder ökologische Herausforderungen und deren Bewältigung bereitzustellen. Sie mobilisierten mit diesem Wissen Unterstützung und nutzten es, um ihre politischen Anliegen voranzubringen. Doch wie entstand dieses Wissen? Wann und wie wurde es wirksam? Ein neuer Sammelband an der FZH hat sich diesen Fragen gewidmet. Die Herausgeberinnen Anna Horstmann und Ruth Pope werden im Gespräch mit dem Historiker Alexander von Schwerin die wichtigsten Ergebnisse vorstellen und diskutieren. Für den Abend widmen sie sich dabei vor allem der Frauen- und Umweltbewegung der 1970er bis 1990er Jahre, richten ihren Blick aber auch auf die Gegenwart und fragen: Wie prägen die Neuen Sozialen Bewegungen noch heute unser Verständnis von Expertise und Aktivismus?

Moderation: Stefan Mörchen (FZH)

Der Vortrag wird auch online via Zoom übertragen: https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1

Donnerstag, 21. Mai, 18.30 Uhr

Lena Langensiepen (Körber-Stiftung Hamburg) / Detlef Siegfried (Universität Kopenhagen):
Geschichte für alle. Die Hamburger Geschichtswerkstätten in den 1980er und 1990er Jahren

Geschichte muss lebendig bleiben! So lautete eine Forderung der Hamburger Geschichtswerkstätten als sie Anfang der 2000er Jahre von der Schließung bedroht waren. Entstanden waren sie in den 1980er Jahren im Zuge einer breiten „Geschichtsbewegung“. An vielen Orten in der Bundesrepublik gründeten sich Geschichtsinitiativen, erforschten die Vergangenheit kritisch und machten neue Perspektiven sichtbar. Auch in Hamburg entstanden zahlreiche Initiativen, die die Geschichte ihrer Stadtteile dokumentierten und die lokale Erinnerungskultur nachhaltig prägten.
Die Historikerin Lena Langensiepen hat die Geschichte der Hamburger Geschichtswerkstätten in den 1980er und 1990er Jahren erforscht. Im Gespräch mit Detlef Siegfried diskutiert sie welche gesellschaftlichen und politischen Bedingungen die Entstehung der Geschichtswerkstätten in Hamburg begünstigten. Inwiefern war die Etablierung von Stadtteilgeschichtsinitiativen auch die Folge einer „Neuen Kulturpolitik“ in den 1970er Jahren? Wer engagierte sich in den Initiativen und mit welchen Motiven? Und wie veränderten die Geschichtswerkstätten den Blick auf Stadtgeschichte und Erinnerungskultur?

Moderation: Knud Andresen (FZH)

Der Vortrag wird auch online via Zoom übertragen: https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1

Donnerstag, 28. Mai, 18.30 Uhr

Kirsten Schaper / Sybille Baumbach (beide Archiv der FZH), Oliver von Wrochem (Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen):
Was bleibt – Der Nachlass von Esther Bejarano im Archiv der FZH

Grußwort: Senator Carsten Brosda (Behörde für Kultur und Medien)

Das „Verschwinden“ der Zeitzeug:innen des Nationalsozialismus wird seit vielen Jahren diskutiert. Demgegenüber stehen Aufgabe und Anspruch der Archive, historische Zeugnisse für die Gegenwart und Zukunft zu bewahren. Was bleibt – ist also Frage und Antwort zugleich.
Esther Bejarano, die das Konzentrationslager Auschwitz überlebte, starb am 10. Juli 2021 in Hamburg. Seit Ende der 1970er Jahre war sie im Kampf gegen Neonazismus politisch aktiv, trat als Sängerin mit jüdischen und Widerstandsliedern an die Öffentlichkeit und richtete sich mit ihren Erinnerungen besonders an junge Menschen. Ihr privater Nachlass befindet sich seit 2023 in der FZH.
Die Veranstaltung wird ihren Blick auf die Archivarbeit und das im Nachlass überlieferte Material sowie seine Bedeutung für die Erinnerungsarbeit und Forschung richten. Was heißt es, einen Nachlass zu übernehmen und zu erschließen? Worin bestehen seine Inhalte, Bekanntes und Unerwartetes? Welche Fragen lassen sich aus heutiger Perspektive an ihn richten und wie könnten die Dokumente zukünftig genutzt werden?

Moderation: Kirsten Heinsohn (FZH)

Der Vortrag wird auch online via Zoom übertragen: https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1

Donnerstag, 25. Juni, 18.30 Uhr

Abweichender Veranstaltungsort: Hochschule für bildende Künste (HFBK), Lerchenfeld 2, 22081 Hamburg

Alina Laura Just (FZH) / Michael Wildt:
Gestaltung und Gleichschritt. Die Geschichte der Hochschule für bildende Künste (HFBK) Hamburg im Nationalsozialismus

Wie veränderte die nationalsozialistische Diktatur den Alltag an einer staatlichen Kunsthochschule? Welchen Einfluss nahm das Regime auf Praktiken des Lehrens und Lernens, auf die Verwaltung und auf die gestalterische Arbeit?
Die jüngst erschienene Studie „Gestaltung und Gleichschritt“ von Alina Just geht diesen Fragen am Beispiel der HFBK Hamburg bzw. deren Vorgängereinrichtungen, der Landeskunstschule und der Hansischen Hochschule für bildende Künste, nach. Sie liefert ein anschauliches Zeitbild des künstlerisch-intellektuellen Beziehungsgeflechts im nationalsozialistischen Hamburg – und dessen Nachwirkungen in der demokratischen Nachkriegszeit.
Auf der Veranstaltung präsentiert die Autorin ihre Forschungsergebnisse in einem Kurzvortrag und diskutiert anschließend mit Michael Wildt. In welchen Schritten vollzog sich der Prozess der institutionellen Anpassung an das nationalsozialistische System? Und wie nutzten die Beteiligten ihre jeweiligen Handlungsspielräume: Wer war verantwortlich, wer verstrickt und wer wurde zum Täter?

Moderation: Yvonne Robel (FZH)

Der Vortrag wird auch online via Zoom übertragen: https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1

Eine Kooperationsveranstaltung mit der HFBK

Donnerstag, 2. Juli, 18.30 Uhr

Linde Apel (FZH) / Stefan Müller (Friedrich-Ebert-Stiftung) / Sandra Schürmann (Museum der Arbeit Hamburg) / Frank Reuter (Forschungsstelle Antiziganismus Heidelberg) / Malte Thießen (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte Münster):
Von Aufnahmegerät bis Zuhören: Oral History für Lernende, Profis und Neugierige

Was ist Oral History? Wie und wozu führt man Interviews? Wie geht man am besten mit mündlichen Erinnerungen um? Und braucht man dafür Zeitzeug:innen? Das frisch erschienene Handbuch Oral History stellt Studierenden und Interessierten, die in Gedächtnisinstitutionen arbeiten, zentrale Begriffe, Projekte und Institutionen vor und vermittelt ihnen grundlegende Kenntnisse im Umgang mit mündlichen Quellen – von der Interviewvorbereitung über die Auswertung bis zur Archivierung. Die Herausgeber:innen Linde Apel und Stefan Müller diskutieren mit Expert:innen aus Forschung und Kultur über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Oral History und erörtern ihre Anwendung zwischen wissenschaftlicher Theorie und der Praxis in Archiven und Museen.

Moderation: Andrea Althaus (FZH)

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Der Vortrag wird auch online via Zoom übertragen: https://zoom.us/j/91035705282?pwd=9kxuXQlNgcualQDaHn29NoPhPfbmzg.1

Veranstaltungsort und Kontakt:
Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg (FZH)
Beim Schlump 83
20144 Hamburg
Telefon: 040/431397-0
E-Mail: fzh@zeitgeschichte-hamburg.de

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