Um das Verhältnis von Arbeit und Zeit wurde (vor allem) in kapitalistischen Gesellschaften von jeher gerungen. Die Aushandlungen und Konflikte um die Ausgestaltung und Regulierung von Erwerbs- wie Reproduktionsarbeit wie auch um Lohnstandards oder Arbeitsgestaltungsfragen sind dabei keine singulären Konflikte, sondern finden vor dem Hintergrund gesellschaftlicher und historisch entstandener Zeitregime statt. Entsprechend war und ist die Aushandlung von (Arbeits-)Zeit eines der Kernthemen der ArbeiterInnen-Bewegung weltweit. Seit einigen Jahren gewinnt „Arbeitszeit, die zum Leben passt“ nicht nur als Gegenstand tariflicher Regulierung, sondern auch als Thema sozialwissenschaftlicher Forschung an Bedeutung. Zugleich ist das Verhältnis von Arbeit und Zeit zu einem Gegenstand lebhafter historischer Debatten geworden. Im zeitlichen Bogen von disziplinierender Zeitregulierung seit 1800 und der Flexibilisierung von Zeitregimen seit Ende des 20. Jahrhunderts gewinnen dabei u.a. praxeologische Perspektiven an Bedeutung. Wie gestalteten sich Zeitpraktiken im Spannungsfeld von Lohnarbeit, Reproduktionsarbeit und Freizeit – und wie veränderten sie sich im Zeitverlauf? Wer profitierte von der zunehmenden Regulierung von Arbeit und Zeit, wer zählte zu den Verlierer/innen, und welche Konflikte um Zeit entzünde(te)n sich in Betrieben, Haushalten und auf gesellschaftlicher Ebene?
Die Konferenz wird veranstalltet von der GLHA in Kooperation mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und dem Museum der Arbeit, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Hans-Böckler-Stiftung und Friedrich-Ebert-Stiftung.
Organisationsgruppe: Knud Andresen (Hamburg); Gina Fuhrich (Heidelberg); Nina Kleinöder (Bamberg); Michaela Kuhnhenne (Düsseldorf); Nicole Mayer-Ahuja (Göttingen); Rita Müller (Hamburg); Stefan Müller (Bonn); Katja Patzel-Mattern (Heidelberg); Franziska Rehlinghaus (Göttingen); Sandra Schürmann (Hamburg); Mareike Witkowski (Oldenburg)
Anmeldungen nimmt Joana Betke (betke@zeitgeschichte-hamburg.de) bis zum 1. Oktober 2022 entgegen. Die Teilnahme ist kostenfrei, die ggf. geltenden Corona-Bestimmungen werden rechtzeitig zugesandt.
15.30 bis 16.00 Uhr:
Eröffnung, Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema
16.00 bis 17.30 Uhr
PANEL 1: Umkämpfte Zeitkonzepte in der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung
Moderation: Franziska Rehlinghaus (Göttingen)
18.00 bis 19.30 Uhr
Podiumsdiskussion: Zeit und Arbeit. Narrative und Vermittlung einer verflochtenen Geschichte
Moderation: N.N.
9.00 bis 10.30 Uhr
Panel 2: Unklare Grenzen. Arbeitszeit und Freizeit
Moderation: Mareike Witkowski (Oldenburg)
10.45 bis 12.30 Uhr
Panel 3: Arbeitszeit zwischen Zwang, Verwertbarkeit und Eigensinn
Moderation: Katja-Patzel-Mattern (Heidelberg)
13.15 bis 14.15 Uhr
Führung durch das Museum der Arbeit
14.30 bis 16.00 Uhr
Panel 4: Zeit-Verschiebungen
Moderation: Nina Kleinöder (Bamberg)
16.30 bis 18.30 Uhr
Panel 5: Arbeitszeiten/Care-Zeiten
Moderation: Michaela Kuhnhenne (Düsseldorf)
9.00 bis 10.00 Uhr
Panel 6: Zeit, Arbeit, Leben
Moderation: Stefan Müller (Bonn)
10.15 bis 11.45 Uhr
Panel 7: Zeit im Betrieb: Arbeit und Regeneration um 1900
Moderation: Philipp Reick (Aarhus)
12.15 bis 13.45 Uhr
Panel 8: Arbeitszeit im Recht
Moderation: Nicole Mayer-Ahuja (Göttingen)
13.45 bis 14.00 Uhr
Abschlussdiskussion