Bearbeitung: PD Dr. Daniel Gerster
gerster@zeitgeschichte-hamburg.de
Die Studie untersucht Taten sexualisierter Gewalt in Internaten, die seit 1945 der Verantwortung der Evangelischen Kirche im Rheinland unterstanden. Das Ziel ist es, Wissen über Art, Ausmaß und Häufigkeit von Vorfällen, über Anzahl Betroffener sowie Täterinnen und Täter zu gewinnen. Ausgehend von den konkreten Taten wird ferner gefragt, welche pädagogischen und theologischen Vorstellungen Gewalt begünstigten und wie persönliche Netzwerke und institutionelle Strukturen Taten ermöglichten oder ihre Aufdeckung verhinderten.
Untersucht werden in der Studie zwölf Einrichtungen, die nach jetzigem Wissensstand nach 1945 im Bereich der EKiR existiert haben. Von diesen werden die vorhandenen Akten systematisch untersucht. Ebenso werden, falls erforderlich die Unterlagen staatlicher Aufsichtsstellen, v.a. auf Landes- und kommunaler Ebene, ausgewertet. In Fällen, in denen es sinnvoll erscheint, werden ferner vereinzelt Gespräche mit Betroffenen sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt, um Befunde aus der schriftlichen Überlieferung zu kontextualisieren.
Die Studie wird von der Evangelischen Kirche im Rheinland finanziert. Die Laufzeit des Projekts beträgt ein Jahr, von März 2026 bis Februar 2027. Sie entsteht vor dem Hintergrund eines Perspektivwechsels der EKiR, die als zuständige Institution selbst nach potenziellen und tatsächlichen Gewaltkonstellationen in ihrem Bereich fragt. Die Initiative zu einem solchen Perspektivwechsel kam vonseiten von Betroffenen. Erste Teilergebnisse zu der Fragestellung lieferte die 2022 von der Bergischen Universität Wuppertal in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam durchgeführte Studie Aufarbeitung der gewaltförmigen Konstellation der 1950er Jahre im evangelischen Schülerheim Martinstift in Moers.