

Bereits seit Plato wurden Zukunftsvisionen und Utopien erdacht und erträumt – entweder als gesellschaftliche oder technologische Utopien (man denke an da Vincis Technologie-Visionen!), sehr häufig auch beides.
Das Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ von Ulrich Schippke vermittelt auf eindrucksvolle Weise, wie man sich im Jahr 1974 das Leben in der Zukunft vorstellte. Herausgegeben wurde es von Roland Gööck, einem deutschen Redakteur, Sachbuchautor und Lektor, der vor allem für den Bertelsmann-Verlag tätig war. Die Bilddokumentation ist zudem Ausdruck einer Wende: Einerseits spiegelt sie noch immer den Machbarkeitsglauben der Nachkriegsjahrzehnte wider, inklusive des Traums von eugenischen Optimierungen der Menschheit. Zugleich aber thematisiert der Band, in Reaktion auf den Beginn der sogenannten „Zweiten Umweltbewegung“, auch die Probleme, die der technische Fortschritt verursacht hatte (Abb. 1). Ein Beitrag über die „Gefahr für die Umwelt“ (S. 14) steht inhaltlich hart konturiert neben einem Text über den alten Traum von der ewigen Jugend und der Verlängerung des Jungseins (vgl. S. 174).
Die Überbevölkerung wird thematisiert, zugleich glaubt man noch, Wetter und Klima steuern und ändern zu können (eine Temperatursteigerung in Europa um drei Grad Celsius galt als erwünscht!). Manche Träume wirken heute, nach 50 Jahren, eher skurril (Abb. 2) – schwimmende Atomreaktoren, Städte auf dem Meeresgrund und „Personengeschosse in der Röhre: zwanzigmal schneller als der Schall“ (S. 88). Anderes war realistischer: Der Computer am Handgelenk ist mit der Smartwatch Wirklichkeit geworden, wie wir alle wissen (Abb. 4).


Als faszinierendes Dokument dafür, wie sich Menschen ihre Zukunft – unser Heute – vorstellten, steht der Band den Nutzerinnen und Nutzern nunmehr in der FZH-Bibliothek zur Verfügung.
Literatur- und Quellennachweise:
Schippke, Ulrich: Zukunft – Das Bild der Welt von morgen, Gütersloh 1974 (Bibliothekssignatur: I Ez 19).
(Hartmut Finkeldey)