Fundstück #13

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Abb. 1: Eine Auswahl der Diercke-Atlanten
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Abb. 2: Karte Afrikas in der ersten Diercke-Ausgabe 1883

Fundstück #13, Oktober 2024

Zur Bedeutung von Karten am Beispiel der Diercke-Atlanten

Karten, also die Abbildung geografischer aber auch politisch-räumlicher Gegebenheiten, sind schon lange eine wichtige Quelle für die Geschichtswissenschaft. Und immer waren diese scheinbar wertfreien Darstellungen geprägt durch Deutungen und Projektionen. Dies beginnt bereits mit einfachen kartografischen Überlegungen: so ist auf europäischen Weltkarten Europa im Mittelpunkt dargestellt und orientiert sich am „Greenwich-Meridian“, asiatische Weltkarten dagegen am 180. Längengrad. Die häufig bevorzugte „Mercator-Projektion“, mit der die Erdoberfläche winkelgetreu dargestellt werden soll, lässt nördliche und südliche Länder größer, Länder in Äquatornähe jedoch kleiner erscheinen.

In der Bibliothek der Forschungsstelle für Zeitgeschichte befindet sich ein interessanter Fundus deutschsprachiger Schulatlanten. Insbesondere zahlreiche Ausgaben des bekannten „Diercke-Atlas“ sind in diesem Bestand enthalten, darunter ein Reprint des ersten „Diercke“ von 1883. Die Karten dokumentieren vielfältig den damaligen Stand des sehr eurozentristischen Wissens, die realen politischen Verhältnisse, aber auch die Machtbegehrlichkeiten, Vorurteile und Wertevorstellungen ihrer Ersteller. Dies lässt sich gut an der kartografischen Darstellung von Afrika zeigen. Die erste Karte im „Diercke-Atlas“ von 1883 vor der Kongokonferenz 1884/85 bildet das geografische Wissen über Afrika aus europäischer Sicht ab. Dieses ‚Wissen‘ war eine wichtige Vorbedingung für die Aufteilung Afrikas zwei Jahre später (Abb. 2).
Auch in den Deutschlandkarten spiegeln sich Zeitläufe und Präferenzen wider. Man denke an das „Großdeutsche Reich“ im „Diercke“ von 1942 (Abb. 3). Nach dem Krieg wurden bis in die 1970er Jahre die Grenzen von 1937 in den westdeutschen Atlanten mit dargestellt; noch in den 1980er Jahren wurde die berühmte ‚Perlenschnur‘, also die Grenzen von 1937 in gepunkteter Linie, abgedruckt (Abb. 4).

Quelle:

Carl Diercke / Eduard Gaebler (Hrsg.): Schulatlas über alle Teile der Erde, Hildesheim 1977 (original 1883), I Kl 17/1883
Diercke Schulatlas für Höhere Lehranstalten, Brauschweig 1943, I Kl 17/1943
Ferdinand Mayer (Bear. und Kartografie): Diercke Weltatlas, Braunschweig 1979, I Kl 17/1979

(Hartmut Finkeldey)

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Abb. 3: Das Deutsche Reich in der Ausgabe von 1943
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Abb. 4: Das geteilte Deutschland in der Ausgabe von 1957
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Abb. 5: Die Teilung in DDR und BRD in einer Ausgabe aus den 1970er Jahren
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