Im Klimabericht für die Metropolregion Hamburg aus dem Jahr 2009 gibt es einen Verweis auf Paul Perlewitz. Die von ihm gemessenen Wetterdaten entsprächen zwar nicht heutigen Standards, dennoch habe er 1928 „den ersten Bericht über längere Klimabeobachtungen in Hamburg unter Betrachtung mehrerer Klimaelemente“ veröffentlicht.1
Paul Julius Georg Perlewitz wurde am 25. April 1878 in Berlin geboren. Nach Studium und Promotion in Kiel bei dem Ozeanografen Otto Krümmel wandte er sich stärker der Meteorologie, Aerologie und Luftfahrt zu. 1908 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des ersten Hamburger Vereins für Luftschifffahrt, bekleidete zwischenzeitlich u. a. den Direktorenposten der Sternwarte Hamburg und leitete den Wetterdienst der mittleren Ostsee in Stettin. Während des Militärdienstes im Ersten Weltkrieg unterrichtete Perlewitz Offiziere der Marine-Luftschiffe. Seine Haltung zum Nationalsozialismus wäre genauer zu untersuchen und muss vorläufig als loyal bezeichnet werden. Bekannt ist, dass er im Auftrag der Wehrmacht und des Volksbildungswerkes tätig war.2
Perlewitz verfasste weit über 200 Publikationen. Er starb am 15. Oktober 1949 in Hamburg.


Im Jahr 2023 erhielt die FZH aus dem Privatnachlass von Paul Perlewitz zwei großformatige Alben. Neben dem Wissenschaftler, Wolkenbeobachter und Wetterexperten präsentiert sich in ihnen ein von Wettkämpfen begeisterter Sportballonfahrer. In chronologischer Reihenfolge veranschaulichen eingeklebte Fotos, Zeitungsmeldungen, Briefe, Ausweise, Einladungen, meteorologische Diagramme, Land- und Wetterkarten und vieles mehr zahlreiche Ereignisse zwischen 1903 und 1936 (vgl. Abb. 2). Doppelseitige Dokumente und mehrseitige Broschüren sind vorsichtig hinter eigens eingearbeitete Laschen gesteckt, so dass sie sich öffnen und vollständig lesen lassen.
Album I umfasst die Jahre 1903 bis 1914 und beginnt mit der ersten wissenschaftlichen Ballonfahrt, die in Berlin-Tegel startete. 1910 dann eine Einladung zum Mittagessen mit Edmund Siemers, Graf Zeppelin und Prinz Heinrich von Preußen zwecks Vorbesprechung zur Gründung des Hamburger Flughafens, 1912 zur Einweihung der Luftschiffhalle in Fuhlsbüttel. Vor allem aber sind es die nationalen wie internationalen Weit- und Wettfahrten, Verfolgungs- und Fuchsjagden mit den gasgefüllten Ballons (vgl. Abb. 4), darunter der berühmte Gordon-Bennett-Cup, die die Seiten der Alben füllen. Regelmäßig sind auch Telegramme dabei, die Paul Perlewitz nach Hause sandte, um mitzuteilen, dass er gut gelandet sei. Album II setzt mit dem Jahr 1925, in dem der Freiballon „Hamburg“ aus der Taufe gehoben wurde, ein und enthält wieder mehr wissenschaftliche Fahrten (vgl. Abb. 3).
Beeindruckend und bisweilen unterhaltsam ist die Vielfalt der historischen Dokumente – gestochen scharfe Wolkenaufnahmen, Luftbilder, welche heute längst überbaute ländliche Regionen zeigen, Ansichten auf freiem Feld gestrandeter Ballons oder die „famosen“ Fahrtenberichte.
Perlewitz‘ Würdigung als Wissenschaftler erfährt mit diesen beiden Alben eine wertvolle Ergänzung.
In einer kleinen Vitrinenausstellung präsentiert das Archiv derzeit einige Dokumente und Fotos aus dem Nachlass Perlewitz.
1 vgl. von Storch, Hans / Clauße, Martin (Hrsg.): Klimabericht für die Metropolregion Hamburg, URL: https://www.hereon.de/imperia/md/content/klimabuero/klimaberichte/
klimabericht_druck_doerffer_19_11.pdf, S. 46 (zul. aufgerufen am 26.3.2026).
2 vgl. FZH Archiv, BA 010, 46
Archivbestand: FZH Archiv, BA 016
(Text: Kirsten Schaper, Fotos: Maike Raap)

