Vortrag

Fritz Valentin. Deutscher Patriot – jüdischer Verfolgter – christlicher Richter

12. April 2018, 19.00 Uhr
Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Beim Schlump, 83, 20144 Hamburg
Vortrag von Ursula Büttner, in Kooperation mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hamburg e.V.

Fritz Valentin war vieles: Jude nach der Herkunft und Christ aus tiefer Überzeugung, deutscher Patriot und aus seiner Heimat vertriebener Flüchtling, gewissenhafter und leidenschaftlicher Richter.

Fritz Valentin, 1897 geboren und getauft, wuchs in einer wohlsituierten jüdischen Familie auf. Er zog als 16jähriger in den Ersten Weltkrieg und war mehr als vier Jahre an der Westfront. In der Weimarer Republik begann er ein glückliches Familien- und Berufsleben. Im Nationalsozialismus wurde er verfolgt und floh mit seiner Familie nach England. Bereits im Februar 1946 kam er zurück nach Deutschand, um am Wiederaufbau eines demokratischen Rechtsstaats mitzuwirken. Als Richter bekam Valentin es mit allen Problemen der Nachkriegszeit zu tun: Er urteilte über große NS-Verbrecher und kleine Gelegenheitstäter, er führte von 1957 bis 1960 den bis dahin längsten Wirtschaftsprozess, und er machte durch seine klare Ablehnung der Strafverfolgung von Homosexuellen in seinem „Drei-Marks-Urteil“ von 1951 Geschichte. Ursula Büttner stellt in ihrem Vortrag das Leben Fritz Valentins vor, in dem sich der der dramatische Wechsel von guten und katastrophalen Zeitabschnitten im 20. Jahrhundert spiegelt.

Ursula Büttner war bis 2011 Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professorin an der Universität Hamburg. Sie veröffentlichte zahlreiche Publikationen zur deutschen und hamburgischen Geschichte im 20. Jahrhundert.

Zurück