Albert Schäfer. Ein Unternehmer in Hamburg zwischen Weimar und Nachkriegszeit (1929-1949)

Bearbeitung: Sebastian Justke, M.A.
 
Forschungsfeld: Der Nationalsozialismus und seine ‚zweite Geschichte‘
 
Als deren langjähriger Präses prägte Albert Schäfer das Gesicht der Hamburger Handelskammer in der jungen Bundesrepublik. Mit dem Namen des aus Köln stammenden Unternehmers verbunden ist zudem die Geschichte der kampflosen Übergabe Hamburgs an die Alliierten, die Schäfer mit vorbereitet hatte. Schäfer ist in der Hamburger Öffentlichkeit vor allem als ein vom Nationalsozialismus unbelasteter Vertreter der Wirtschaft in Erinnerung geblieben, der den Wiederaufbau Hamburgs nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mitverantwortet habe. Dieses Bild von Albert Schäfer, das bis in die Gegenwart eine Wirkkraft entfaltet, fügt sich ein in die Legende Hamburgs als liberal-hanseatische Stadt, die sich den Einflüssen des NS-Regimes erfolgreich widersetzte, daher nach 1945 nahtlos an Traditionen vor der Machtübergabe an die Nationalsozialisten anknüpfen konnte und damit unbelastet sei. Obwohl die geschichtswissenschaftliche Forschung diese Legende seit den 1980er Jahren gründlich widerlegt hat, scheint sie in Teilen der Öffentlichkeit weiter lebendig zu sein.
Trotz Albert Schäfers Prominenz ist über seine Zeit vor 1945 nur in groben Zügen etwas bekannt. Der 1881 geborene Schäfer machte eine Karriere in der Gummi-Industrie und wechselte 1933 als Vorstandsvorsitzender an die Phoenix Gummiwerke in Harburg, die 1937 im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes in das Hamburger Stadtgebiet eingegliedert wurden. Diesen Posten hatte er bis 1949 inne. Seit 1946 und bis 1956 war er Präses der Hamburger Handelskammer, deren Mitglied Schäfer bereits seit 1937 war. Das vorliegende Projekt richtet den Blick auf Albert Schäfers Wirken von der Weltwirtschaftskrise 1929/1930 bis zur Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949.
Das Projekt stellt folgende Fragen: Welche Handlungsspielräume hatte Albert Schäfer in der Endphase der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit und mit welchen Interessen und auf welche Weise nutzte er diese? Wie reagierte Albert Schäfer, der 1929 durch eine Firmenfusion einen Vorstandsposten bei der Continental AG, dem damals größten deutschen Gummiproduzenten erhalten hatte, auf die Weltwirtschaftskrise? Eine Antwort auf diese Frage könnte als Folie dienen, um Schäfers unternehmerisches Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus besser einordnen und vergleichen zu können.
Für die Zeit von 1933 bis 1945 richtet sich das primäre Forschungsinteresse auf Albert Schäfers Wirken als Fabrikherr der Phoenix Gummiwerke. In welchem Umfang profitierten die Gummiwerke in Harburg von der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie? Nach Kriegsbeginn übernahmen die Phoenix Gummiwerke Firmen in den besetzten Gebieten oder die Firmenleitung handelte für die Phoenix vorteilhafte Verträge mit Firmen in eben diesen Gebieten aus. Wie gingen Albert Schäfer und die übrige Unternehmensführung bei den Übernahmen und Vertragsschließungen vor, welche Interessen vertraten sie dabei? Der Arbeitskräftemangel im Krieg betraf auch die Phoenix Gummiwerke. Daher wurden auch hier Zwangsarbeiter eingesetzt. Wie ging Albert Schäfer mit diesen Zwangsarbeitern in seinem Unternehmen um? Ein weiterer Fragenkomplex richtet sich auf Wirtschaftsnetzwerke im Nationalsozialismus, in die Schäfer eingebunden war. Welche Gestaltungs-und Entscheidungsmöglichkeiten hatte Schäfer als Mitglied in Wirtschaftsgruppen und -ausschüssen, sowohl auf lokaler als auch auf Reichsebene? Daran schließt sich die Frage nach personellen Kontinuitäten und Wirtschaftsnetzwerken an, die auch nach dem Untergang des Nationalsozialismus noch bestanden.
Wie gestaltete Albert Schäfer ferner den Wiederaufbau der Phoenix Gummiwerke bis zu seinem Ausscheiden als dessen Vorstandsvorsitzender im Jahr 1949? Für den Untersuchungszeitraum der unmittelbaren Nachkriegsjahre richtet sich der Blick des Weiteren auf die Hamburger Handelskammer. Welche Aufgaben und Funktionen erfüllte Schäfer seit seiner Berufung zum Präses in der Stadt? Wie ging Albert Schäfer in dieser Zeit als oberster Repräsentant der Hamburger Wirtschaft mit dessen nationalsozialistischer Vergangenheit um?
 

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