Abgeschlossene Projekte

Vom „Elendsviertel“ zum „urban village“ der Mittelschicht? Verfall und Aufwertung innerstädtischer Altbauquartiere in Hamburg, London und Wien, 1918-1985

Bearbeitung: Dr. David Templin
Forschungsfeld: Jüngere und jüngste Zeitgeschichte
 
Das Projekt untersucht den sozialen Wandel innerstädtischer Altbauquartiere in west-deutschen, britischen und österreichischen Großstädten zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und den 1980er Jahren sowie die Wahrnehmungen und den Umgang politischer und gesellschaftlicher Akteure mit entsprechenden Wandlungsprozessen. Galten viele Stadtviertel um den großstädtischen Kern lange Zeit als „Elendsquartiere“ einer urbanen Arbeiterklasse und Unterschicht, wandelte sich dieses Bild im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Neben kommunalen Eingriffen, etwa in Form von Stadterneuerungs- bzw. Sanierungsprojekten, spielten dabei Faktoren wie der Bevölkerungsaustausch (etwa im Zuge von Suburbanisierungsprozessen oder Migrationsbewegungen), ökonomischer Strukturwandel und soziokulturelle Umbrüche, die Ausdehnung von Geschäftsbezirken, aber auch die Entwicklung der Boden- und Mietpreise und Investitionen in den Immobilienbestand eine zentrale Rolle. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten wurden schließlich zwischen den 1960er und 1980er Jahren Tendenzen einer Aufwertung oder „Gentrification“ innerstädtischer Altbauviertel ausgemacht.
 
Im Projekt soll nach den ökonomischen, sozialen und kulturellen Faktoren der Abwertung und Aufwertung von Stadtteilen ebenso gefragt werden wie nach den politischen Umgangsformen kommunaler Vertreter und Verwaltungen sowie den lokalpolitischen Auseinandersetzungen, die sich an den Fragen von Verfall und Vernachlässigung, Sanierung und Gentrifizierung entzündeten. Wie ist die Produktion des städtischen Raumes entsprechender Viertel zu erklären? Wie wurden die Veränderungen dieser Räume wahrgenommen und welche gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen entzündeten sich an entsprechenden Entwicklungen oder Plänen? Das Projekt ermöglicht es, die historischen Entwicklungen hin zu den Gentrifizierungsprozessen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts nachzuzeichnen und zu analysieren. Damit leistet es einen sozial-, politik- und kulturgeschichtlichen Beitrag zu einer modernen Stadtgeschichte.
 
Die Studie ist vergleichend angelegt, um lokale, aber auch nationale Spezifika der Verfalls- und Aufwertungsprozesse herauszuarbeiten. Als Fallbeispiele sollen ausgewählte Stadtviertel in Hamburg, London und Wien untersucht werden.
 
 

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