Abgeschlossene Projekte

Friede mit Israel – Handel mit arabischen Regionen. Hamburger Außenpolitik

Bearbeitung: PD Dr. Kirsten Heinsohn

Forschungsfeld: Hamburg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Projekt (ab Ende 2011) Kooperation Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg

Das Projekt soll das gesellschaftliche Feld der „hamburgischen Israelpolitik“ von den fünfziger Jahren bis Ende der achtziger Jahre ausleuchten und untersuchen, wer die Träger waren, welche Interessen formuliert wurden, wie sich die offiziellen Vertreter der Stadt zu diesem Komplex verhielten und welche Wirkung die Initiativen entfalteten.

Die Hamburger „Außenpolitik“ war nach einer Interpretation Frank Bajohrs in den fünfziger und sechziger Jahren durch vier Elemente bestimmt: Streben nach europäischer Integration, eigenständige Politik in Richtung Osteuropa, enge Bindung an die Führungsmacht des Westens („Atlantizismus“) und wichtiger Impulsgeber für den Aufbau deutsch-israelischer Beziehungen. Dieser Interpretation steht allerdings gegenüber, dass es mit Blick auf das letzte Element nur wenige offizielle Verbindungen zu Israel gegeben hat und dass fast alle Initiativen von Privatpersonen oder nur im halboffiziellen Bereich stattgefunden haben. Mit anderen Worten: diese Facette der „Außenpolitik“ war vor allem eine gesellschaftspolitische und moralische Initiative, keine staatliche und keine ökonomisch orientierte.
Tatsächlich hat es aber wichtige Initiativen für eine Deutsch-Israelische Annäherung aus Hamburg gegeben. Neben dem Engagement von Erik Blumenfeld sind als wichtige Einzelpersonen in diesem Feld noch Axel Springer, der Sprecher der Pressestelle Erich Lüth (1902-1989) und 1951 Initiator der „Friedensbitte an Israel“, sowie der Kultur- und zeitweise Justizsenator Hans-Harder Biermann-Rathjen von der FDP zu nennen. Als Gruppen tauchen die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit jeweils sehr aktiven Ortsgruppen in Hamburg auf.
Zum anderen gab es aber auch Initiativen für eine selbstbewusste und von Wirtschaftsinteressen geformte Nah-Ost Politik. Hier ist beispielsweise auf die Wiedergründung des NUMOV (Nah- und Mittelostverein) e.V. 1950 in Hamburg zu verweisen. Der NUMOV organisierte Handelsbeziehungen in den Nahen Osten und zählte dazu zunächst auch Israel. In den sechziger Jahren war der NUMOV eine der größten Vereinigungen in Hamburg. Der NUMOV gründete 1960 auch das Deutsche Orient-Institut in Hamburg mit bzw. wurde der Träger dieser Einrichtung. Zeitlich parallel bzw. etwas versetzt wurden auch die Vorläufereinrichtung der heutigen Forschungsstelle für Zeitgeschichte und das Institut für die Geschichte der deutschen Juden gegründet. In den sechziger Jahren zeigten sich also zugleich ein verstärktes gesellschaftspolitisches Interesse an Beziehungen zu Israel, zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte bzw. der jüdischen Geschichte in Deutschland und ein erneuter Aufbruch in den (Wirtschafts-)Beziehungen zu Ländern des Nahen Ostens.

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